MoReq2


02.08.2006

MoReq, die "Model Requirements for the Management of Electronic Records", finden immer mehr Verbreitung und Anerkennung. Die von der Europäischen Kommission im Rahmen des IDA-Projektes geförderte und vom DLM-Forum erstellte Richtlinie definiert nicht nur den Umfang von Records Management sondern auch die angrenzenden Themenbereiche. Derzeit ist MoReq in sieben Sprachen verfügbar. Die Spezifikation kann auch von der PROJECT CONSULT Webseite heruntergeladen werden.

Inzwischen gewinnt die Fortführung und Erweiterung von MoReq in Gestalt von MoReq2 Form. Dabei geht es nicht nur um funktionale Erweiterungen sondern besonders um die Nachweisfähigkeit und Zertifizierung der Implementierung von MoReq in Softwareprodukten. Wesentliche Neuheiten in MoReq2 werden sein:

  • Schaffung einer flexibleren Struktur

Berücksichtigung nationaler Anforderungen, Erweiterung des Funktionenkataloges (Ergänzungen),
Definition optionaler Komponenten für unterschiedliche Umgebungen und Anforderungen (Ergänzungen und Verschiebungen in der Struktur)

  • Erweiterung des Basismoduls

Zugriffsverwaltung (Ergänzungen),
Aufbewahrungsfirsten und Vernichtung (Ergänzungen),
Export, Übertragung und Dokumentenaustausch (Ergänzungen; teilweise neu),
langfristige Bewahrung (Ergänzungen),
konkretere Fassung und Beschreibung der Metadaten (Ergänzungen).

  • Schaffung neuer optionaler Module

Content-Management-.Systeme (neu),
Verwaltung nichtelektronischer Aufzeichnungen und Hybridsysteme (vorhanden, wird zu optional verschoben),
Workflow (vorhanden, wird erweitert und verschoben) und Vorgangs-/Fallbearbeitung (neu)
Dokumentenmanagement und Collaboration (vorhanden, wird verschoben)
Kryptographie, Verschlüsselung, Wasserzeichen, Digital Rights Management (vorhanden, teils neu, wird verschoben)
Interoperabilität und Offenheit (vorhanden)
dezentrale Systeme (neu)

  • Entwicklung eines MoReq Compliance Tests

Beurteilung von Produkten (neu)
Entwicklung von standardisierten Testskripten (neu)
Unterstützung einheitlicher MoReq-Compliance-Evaluierungen durch Tests (DLM Forum, DLM-Network EEIG)
Die Veröffentlichung der neuen MoReq2 Spezifikation soll bereits Anfang 2007 erfolgen.

PROJECT CONSULT Kommentar

Mit MoReq steht ein europäischer "Quasi-Standard" für Dokumenten- und Records-Management zur Verfügung. Inzwischen hat sich das Public Records Office (PRO) in England mit PRO2 sehr stark an MoReq angelehnt.

Die Überarbeitung von NOARK in Norwegen wird sich ebenso an MoReq orientieren wie die SEL-GED-Standards des Staates Luxemburg. MoReq ist dabei nicht nur auf den öffentlichen Sektor ausgerichtet sondern in allen Branchen anwendbar.

Selbst wenn man keine vollständige MoReq-Implementierung beabsichtigt, ist die Spezifikation ein hilfreiches Dokument zur Konkretisierung der eigenen Anforderungen. Mit der Schaffung einheitlicher Prüfkriterien und der Zertifizierbarkeit wird sich die Bedeutung von MoReq noch erhöhen. Dies wird automatisch auch zu der Frage führen, welche Bedeutung nationale Zertifizierungsbestrebungen zukünftig haben werden, die von MoReq abweichende Konzepte verfolgen.

Aus Sicht der international tätigen ECM-Anbieter ist ein einheitlicher Standard in Europa mehr als wünschenswert, damit nicht für jedes Land eine "Sonderlocke" programmiert werden muss. Nur eine weite Verbreitung eines Standards rechtfertigt bei den Anbietern die Umsetzung in einem Standardprodukt. Daher wird von vielen Anbietern die Weiterentwicklung von MoReq mit großem Interesse verfolgt.

Das vorgestellte Erweiterungsprogramm für MoReq2 wurde bereits in 2005 vom DLM Forum verabschiedet.

Quelle: Ausgabe 20060331 des PROJECT CONSULT Newsletters , ISSN 1439-0809.


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Dr. Kampffmeyer ist Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH, Hamburg, eine produkt- und herstellerunabhängige Beratungsgesellschaft für Informationsmanagement (IM).

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