Eine IT-gestützte Dokumenten- und Informationsverarbeitung hilft Unternehmen, enorme Effizienzpotenziale in der Verwaltung zu realisieren. Stellten klassische, proprietäre Dokumenten Management Systeme, Dokument und Dokumentenablage in den Mittelpunkt, müssen heute immer stärker kundenspezifische Verarbeitungsprozesse unterstützt werden. Unter dem Begriff "Business Document Processing" verfolgt die objective partner AG das Ziel, über einen Enterprise Service Bus (ESB) eine Systeminfrastruktur zu schaffen, auf deren Grundlage auch komplexe, kundenspezifische Bearbeitungsprozesse flexibel als nachrichtenbasierte Actions und Services abgebildet werden können.
In den Verwaltungen der Unternehmen verbergen sich enorme Effizienzpotenziale. Die Mitarbeiter kämpfen bei Anfragen mit Medienbrüchen (Brief, Fax, Mail, Telefon, Bilddaten), arbeiten in einer Vielzahl von Programmen. Die Prozesse sind nur über die Organisation (Zuständigkeiten) verankert, wenig transparent und sehr starr – schon Urlaubsvertretungen machen mitunter Probleme. Nur selten und vorrangig in Branchen mit großem Verwaltungsanteil, beispielsweise Banken und Versicherungen, sind Dokumenten Management Systeme im Einsatz. Diese (proprietären) Systeme wurden von ihren Herstellern einst geschaffen, um das Suchen & Finden sowie den rollenbasierten Zugriff zu unterstützen und die Dokument- und Ablagestrukturen transparent zu strukturieren. Ein Nachteil dieser Klassiker: Konzeptionell fehlen Prozessorientierung und Automatisierung. So lassen sich Workflows nur mit relativ großem Aufwand unterstützen.
Abbildung und Änderungen von Prozessen sind für die Anwender mit hohen Kosten verbunden, bei allen Projekten ist man auf die Unterstützung der Softwarehersteller angewiesen. Das beginnt oft schon bei neuen Formaten oder Speichersystemen und spätestens der Wunsch nach Prozessen, Abbildung der Geschäftslogik und Automatisierung lässt sich nur über große Projekte und entsprechende Investitionen realisieren – oder man muss warten bis der "Standard" dies durch Updates unterstützt.
Markt (Reaktionszeiten, Vielzahl der Kontaktkanäle/-medien) und Gesetzgeber (Signaturen, Revisionssicherheit etc.) lassen die Anforderungen in der Verwaltung weiter steigen. Vor diesem Hintergrund entstanden neue, verstärkt prozessorientierte und offenere IT-Ansätze. Das moderne Business Document Processing (BDP) will Unternehmen über IT-Systeme unterstützen, diese Komplexität zu bewältigen und den Arbeitsfluss zu beschleunigen, indem es eingehende Informationen und Dokumente nicht nur elektronisch erfasst, sondern auch die weitergehenden Arbeitsprozesse systematisch erleichtert bzw. automatisiert. Diese Prozesse müssen somit flexibel abzubilden und zu ändern sein.
Ein derzeit sehr interessanter, konzeptionell-technischer Ansatz für die Unterstützung des BDP ist ein Enterprise Service Bus (ESB). Er fungiert als zentrale Schnittstelle für eine service-orientierte Architektur. Seine Aufgabe besteht zum einen darin, eingehende Informationen in ein standardisiertes Format zu transformieren und zu verarbeiten. Zum anderen bietet er die Möglichkeit, Geschäftsprozesse über sogenannte Services zu modellieren.
Der ESB als zentrale Verarbeitungskomponente
Ein ESB verfügt hierzu über verschiedene Komponenten. Gateway Listener bilden die Schnittstelle des ESB zur Außenwelt. Alle aktuell interessanten Produkte – als Open Source Varianten seien hier u.a. Open ESB (Sun) und JBoss ESB genannt – verfügen von Haus aus über eine breite Palette von Listenern, die den Großteil aller relevanten Formate (FTP, http, Webservice, File System, JMS sowie Datenbankformate wie Hibernate etc.) integrieren und auf ein gemeinsames, standardisiertes Format (etwa XML) abbilden können.
Actions verarbeiten integrierte Daten nachrichtenbasiert. Auf den Empfang einer Nachricht folgen Aktionen zur Datenverarbeitung und erneuter Versand der Nachricht. Grundlage dieses Systems bildet die Java Message Service (JMS) API. Sie garantiert ein hohes Maß an Flexibilität und (Transaktions-) Sicherheit. Hier stellen ESB Hersteller bereits viel Funktionalität bereit. So z. B. Datentransformation mittels XSLT, (Content Based) Message Routing, BPM-Prozessoren oder Schnittstellen für Web Services mittels SOAP. Zudem besteht die Möglichkeit, eine eigene Business Logik, realisiert durch Enterprise Java Beans (EJB), aufzurufen. So können Dokumente automatisiert importiert, aufbereitet, signiert und zusammen mit beteiligten Objekten persistent abgelegt werden.
Die ESB-Architektur bietet für das BDP viele Vorteile. So bilden Actions autarke Einheiten. Aufgrund der gemeinsamen Schnittstelle können sie wiederverwendet werden, sind weitestgehend frei kombinierbar und leicht auszutauschen. Aufgereiht bilden sie eine Action Pipeline und diese wiederum bilden gemeinsam mit den registrierten Gateway Listenern einen Service. Auf einem ESB können beliebig viele Services konfiguriert werden. Sie bilden ein mächtiges Werkzeug, die Geschäftsprozesse eines Unternehmens optimal abzubilden und dabei gleichzeitig schnell auf neue und geänderte Anforderungen reagieren zu können.
Für den Einsatz eines ESB im Business Document Processing sprechen die vielen verschiedenen Arten des Informationsein-und Informationsausgangs. Dokumente können etwa als gescannte Images auf dem File System vorliegen, per E-Mail übermittelt, durch Webservices in einem Onlineportal erfasst oder aus den Datensätzen eines Legacy Systems erstellt werden. Sind die Daten mittels verschiedener Gateway Listener importiert und aufbereitet, lassen sich alle auf gleiche Art und Weise im selben Geschäftsprozess weiterverarbeiten.
Ferner lassen sich Dokumente sehr gut auf XML-Strukturen, dem nativen Datenformat des ESB, abbilden. Die optionale Möglichkeit, auch serialisierbare Daten (Images der Dokumente etc.) in die Nachrichten zu integrieren, schafft zusätzliche Flexibilität. Auch große Datenmengen werden sicher und performant verarbeitet, denn sowohl ein notwendiger Application Server als auch der ESB können als Cluster aufgebaut werden.
Dokumentenbasierte Geschäftsprozesse lassen sich in der Regel sehr gut in kleine, unabhängige Bearbeitungsschritte wie etwa Dokumenterstellung und -bearbeitung, Signatur, Persistierung oder Versand zerlegen. Die ESB-gestützte Kapselung von Funktionalität erlaubt es, schnell neue Prozesse aus vorhandenen Bausteinen zu entwickeln. Bereits integrierte Bausteine können unabhängig vom Gesamtsystem weiterentwickelt, getestet oder ausgetauscht werden.
Hauptargumente für den Einsatz eines ESB sind die nachrichtenbasierte, standardisierte Datenverarbeitung und die mächtigen Schnittstellen zur Integration von Daten aus (Legacy-) Systemen. Als grobe Faustregel gilt, dass ein ESB ab zwei zu integrierenden Datenquellen sinnvoll ist. Hinzu kommt die große Menge an Funktionalität, die von den Herstellern so gut wie aller marktgängigen Produkte bereitgestellt wird. Dieser Trend wird sich in Zukunft verstärken.
Allerdings: Beim Einsatz eines ESB muss die zusätzliche Komplexität, die im Design des Gesamtprojekts entsteht, berücksichtigt werden. Überdies entstehen Abhängigkeiten vom Hersteller und Produkt – der Austausch eines ESB im Nachhinein ist aufwändig. Die nachrichtenbasierte, standardisierte Datenverarbeitung verlangt Kompromisse bei der Performance, denn die XML-basierte Datenrepräsentation muss für jeden Verarbeitungsschritt in nicht-XML-Formate (etwa POJOs) und zurück transformiert werden. Allerdings verliert dieses Argument an Gewicht, da Transformationsprozessoren immer effizienter werden und Nachrichten vermehrt auf serialisierbaren Datenströmen basieren.
Der Einsatz eines ESB in der digitalen Verarbeitung von Ein- und Ausgangsinformation unterstützt die sichere Integration unterschiedlichster Datenquellen sowie die flexible, schnelle und kostengünstige Umsetzung oder Optimierung firmeninterner Prozesse. Nicht zu unterschätzen ist die zusätzliche Komplexität die der ESB-Einsatz mit sich bringt. Es gilt zahlreiche XML-Dateien zu verwalten. Entschärft wird diese Problematik durch immer komfortablere Konfigurations- und Verwaltungstools der Hersteller und performante Transformationsprozessoren. Unternehmen, die ihre Dokumentenverarbeitung nicht nur organisieren, sondern ihre individuellen Bearbeitungsschritte auch IT-seitig unterstützen und teilweise automatisieren wollen, finden in einem ESB eine attraktive und flexible Basis für BDP-Systeme.
ESB Verarbeitung über Actions und Services
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