Alternativen im Dokumentenmanagement

Autor: Dr. Ulrich Kampffmeyer
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Letzter Beitrag: 06/2010
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Bisher hieß es immer, Dokumentenmanagement sei nur etwas für Großunternehmen, das sei komplex und schwierig. Im Mittelstand und bei kleineren Unternehmen wurde der Einsatz von Dokumenten-Technologien immer sehr kritisch beäugt und nur selten auf die Prioritätenliste der IT-Anschaffungen gesetzt. Heute gibt es eine Reihe von Alternativen, die auch bei schmalen Budgets die Nutzung von Dokumentenmanagement-Lösungen ermöglichen - vom Low-Cost-Produkt bis zur organisatorischen Lösung ohne spezielles Produkt.

Einleitung

Die Anbieterschaft von Dokumenten-Technologie-Lösungen hatte sich von Anfang an auf die Großen der Wirtschaft fokussiert. Klingende Namen, große Projekte, Tausende installierter Arbeitsplätze - dies war die Vision vieler Vertriebsleute und Produktdesigner. Nur wenige fokussierten sich von Anfang an auf die unteren Marktsegmente. Hierfür wurden einfachere Produkte entworfen, die quasi "Out-off-the-Box", ohne besondere Anpassungen, zum Einsatz kommen sollten. Diese Produkte scheiterten häufig am Markt, da die Einführung einer Dokumenten-Technologie-Lösung auch immer eine organisatorische Herausforderung ist. nachteilig bei diesen Standardprodukten war außerdem meistens, das sie nicht mit vorhandenen Produkten interagierten sondern zu Insellösungen führten. Informationen aus dem Dateisystem und aus anderen Programmen mussten häufig aufwendig und manuell importiert werden. Solche Insellösungen konnten sich häufig nicht durchsetzen, da es immer noch eine Disziplinfrage war, welche Information in ein solches System überführt wurde. Der ständige Ausbau der Funktionalität um im Wettbewerb mithalten zu können, machte es den Anbietern solcher Standardprodukte nicht einfacher, da mit der zusätzlichen Funktionalität auch die Komplexität der Installation und der Nutzung stieg. Die Qualität der Produkte und deren Einsatzmöglichkeiten wurden zunehmend von der Intelligenz und Einfachheit der Installations- und der Administrationskomponenten bestimmt. Dies ist auch einer der Gründe, warum jahrelang die Anbieter von DMS-Produkten mit Volltext-Datenbank zur Erschließung und Verwaltung "die Nase vorn" hatten. Es ist wesentlich einfacher ein solches System zu installieren als sich bei der Einrichtung über benötigte Felder einer Indexdatenbank und Strukturen einer geordneten Ablage Gedanken zu machen. Ein anderes Problem der Anbieter von kleineren Standardlösungen war außerdem, dass die Produkte auf den ersten Blick auch für Großunternehmen und größere Lösungen interessant schienen. Die Anbieter mussten hier feststellen, dass trotz der interessanten Kunden, die Funktionalität und Skalierbarkeit nicht ausreichte, oder sie verzettelten sich in Projekten, die zu keinem tragfähigen Ergebnis führte. Der Spagat zwischen Standardprodukt und Projektlösung war nicht zu bewältigen.

So sah es lange Zeit danach aus, das Dokumentenmanagement etwas für die Großen bleiben würde. Jedoch wachsen die Probleme des geordneten Informationsmanagements auch bei den kleineren Anwendern. Hier geht es primär nicht um das Scannen von Dokumenten, sondern zunächst einmal in den elektronischen Ablagen für Ordnung zu sorgen. Überwindung der Beschränkungen hierarchischer Dateisysteme und deren Berechtigungsstrukturen, Entlastung des E-Mail-Einganges und Archivierung kaufmännischer und steuerrelevanter Daten waren hier die aktuellen Themen. Die Interessen fokussierten sich eher auf einfache Archivierungs- und Bürokommunikationskomponten denn auf die Schlagwortthemen Business Process Management (BPM), Enterprise Content Management (ECM) oder Information Lifecycle Management (ILM). Jenseits dieser Akronyme sind einfache, verständliche und mit geringen Kosten betreibbare Lösungen gefordert. Die großen Anbieter reagierten mit abgespeckten Speziallösungen wie E-Mail-Archive für Exchange und Lotus Notes oder speziellen "Mittelstandspaketen". Der Trend nützte jedoch mehr den kleineren Anbietern mit Standardpaketen. Sie konnten fertige, praxisnahe Produkte anbieten, ohne das der Anwender gleich das Gefühl hat mit einer "abgespeckten" Teillösung den Einstieg in teuere Folgeprojekte vorzuprogrammieren. Hinzu kommt, dass es in diesem Segment immer mehr Branchenlösungen gibt, die auf den DMS-Standardprodukten aufsetzen, einfach ein Datenbank-Template für eine spezielle Aufgabenstellung liefern und in eine DMS-Standardlösung geladen werden, oder ein solches Standardprodukt integriert zu einer Branchenanwendung mitliefern.

Vielfalt trotz Konsolidierung

Betrachtet man den Markt für solche kleineren Lösungen, so ist trotz der laufenden Konsolidierung noch eine Vielfalt von Produkten für kleinere Budgets verfügbar. Diese Produkte sind seit langen Jahren am Markt und sind inzwischen auch gut skalierbar und Ausbaufähigkeit. Die Anbieter benutzen verschiedene Strategien, um ihre Produkte an den Endkunden zu vermarkten: Vom Bürofachhandel bis zur Unternehmensberatung, die Branchenlösungen erstellt. Trotz des Anspruches, eine Standardlösung zu liefern, sind auch bei kleinen Installationen einige Tage Beratung erforderlich, um die notwendigen Anpassungen und organisatorischen Maßnahmen für einen effizienten und sinnvollen Einsatz durchzuführen. Einige Anbieter tragen diesem Ansatz durch Komplettangebote von Produkt, Anpassung und Dienstleistung Rechnung.

Zur Gruppe dieser Standardprodukte können in Deutschland zur Zeit folgende Anbieter gerechnet werden (Reihenfolge ohne Wertung, kein Anspruch auf Vollständigkeit):

EASY Software AG
EASY gilt als einer der Marktführer für Dokumentenmanagementlösungen. Der Erfolg war sicherlich auch auf den Einsatz einer Volltextdatenbank zurückzuführen, der die Installation und Nutzung des Produktes sehr einfach machte. Auch wenn es inzwischen EASY als Enterprise-Lösung gibt, finden sich die meisten Installationen bei mittelständischen und kleineren Firmen.

WinDream GmbH
Die WinDream-Lösung besticht durch die einfache Integration in das Microsoft-Umfeld. Ablage und Archiv präsentieren sich dem Anwender wie Laufwerke des Betriebssystems. Der Schulungsaufwand ist daher für die Anwender gering.

ELO Digital Office GmbH
ELO fand seinen Einstieg in den Markt mit dem elektronischen Leitzordner. Die Abbildung des Ordners mittels Software half die Hemmschwelle zwischen Papierwelt und virtueller elektronischer Welt zu überwinden. Inzwischen wurde das Angebot funktional und von den Einsatzbereichen auch für größere Lösungen deutlich ausgebaut.

Docuware AG
Die Docuware AG ist seit über 15 Jahren am Markt und setzte früh auf intuitiv nutzbare grafische Oberflächen. Die Zeiten eigenständiger Desktops sind zwar heute fast vorbei, aber Docuware hat auf die Anforderungen des Marktes reagiert und ihr Portfolio immer weiter ausgebaut. Dies wurde auch durch internationale Erfolge honoriert.

Dr. Pfaff GmbH
Dr.Doc wurde den Profis im DMS-Markt häufig belächelt, obwohl das Unternehmens ich schon seit Mitte der 80er Jahre Gedanken zum Thema elektronische Archivierung macht. Dr.Doc ist auch ein Beispiel dafür, dass sich selbst kleinere Unternehmen mit kleineren Lösungen am Markt halten können.

Aus diesem Umfeld ließen sich noch eine Reihe weiterer Anbieter aufführen. Auch die Anbieter, die sich wie beispielsweise GFT Solutions, d.evelop, IQDoQ, SER, CEYONIQ, OS Optimal, Saperion oder IXOS inzwischen im mehr gehobenen Marktsegment positionieren wollen, haben das "Low-End-Segement" auf Grund der möglichen Stückzahlen nicht aus den Augen verloren. Teilweise kommen die Unternehmen wie Saperion oder GFT Solutions sogar ursprünglich aus dem Marktsegment der einfachen Standardprodukte, wenn man an frühe HYPARCHIV- oder Win!DMS-Lösungen der 80er Jahre denkt. Auch bei diesen Unternehmen gewinnen einfach zu installierende Lösungen für den Mittelstand an Bedeutung. E-Mail-Archive, Branchenlösungen und spezielle Anwendungen zur Lösung häufig vorkommender Geschäftsprobleme gelten als Eintrittskarten in den Markt.

Lösung ohne DMS-Produkt ?

In Umfragen zum Einsatz von DMS-Produkten wurde eins deutlich. Vielfach werden Problemstellungen, für die solche Produkte speziell entwickelt wurden, mit ganz anderen Mitteln gelöst. Gerade bei Mittelständlern und Kleinunternehmen stellt sich die Frage, "brauche ich ein extra Zusatzprogramm, das mir Aufwand im Betrieb, Wartungs- und Updatekosten, und einen Funktionsumfang beschert, den ich gar nicht benötige?". Viele Anwender nutzen für die Verwaltung ihrer Dokumente ganz andere Systeme. Entscheidend ist aber immer der organisatorische Ansatz.


Dateisystem

Gerade bei kleineren Firmen versucht man das Problem der Ordnung durch Vorgaben zur Einrichtung von Dateiverzeichnissen, Überführung von elektronischen Fax-Eingängen, E-Mails- und Attachment in solche Verzeichnisse und Linklisten auf Verzeichnisse in einfachen Intranet-Oberflächen zu lösen. Dieser Ansatz erfordert klare Vorgaben, Vorbildfunktionen und Disziplin. Die Handhabung größerer Informationsmengen wird durch manuelles Auslagern auf Medien die CD oder DVD und Aussondern durch Löschen mehr recht als schlecht geregelt.

Bürokommunikationssoftware von Microsoft

Diejenigen, die auf Microsoft setzen und gebündelte Softwarepakete kaufen, haben meistens auch Outlook und Exchange im Einsatz. Dies ist im ersten Ansatz nicht Bestandteil der Lösung sondern schafft bei der E-Mail-Flut eher Probleme. So finden sich häufig im Dateisystem und im Outlook die gleichen Ordner, ohne das an einer Stelle die Vollständigkeit aller Information gegeben. Viele Anwender haben deshalb auf der Liste der Microsoft Server-Produkte nachgesehen und festgestellt, dass man eine Ablage auch mit dem Sharepoint-Portal-Server erstellen und betreiben kann. In der jüngsten Version sind die Kinderkrankheiten ausgemerzt und der Funktionsumfang wurde deutlich professionalisiert. Aber auch hier benötigt man als kleineres Unternehmen Unterstützung, um sich eine einheitliche Informationsplattform mit Microsoft-Produkten zusammen zu bauen.

Bürokommunikationssoftware von IBM

Wer auf IBM Lotus Notes und Domino setzte, hatte es im Vergleich mit dem Microsoft-Umfeld häufig leichter - wenn denn Programmier-Knowhow für Notes im Hause war. Sehr schnell ließen sich kleine Dokumenten- und Mail-Ablagen selbst erstellen. Der "Quick-and-Dirty"-Ansatz führte aber auch zu Problemen. Hier setzten dann Standardkomponenten von IBM wie Domino.doc an. Für den kleineren Anwender war dies keine Lösung, für den gehobeneren Mittelständler eine mögliche Alternative. Durch neue Produktentwicklungen verschieben sich aber in diesem Umfeld gerade die Schwerpunkte.

Datenbankprodukte

Der Standarddatenbanken wie Oracle im Einsatz hat (in der Regel nicht das Kleinunternehmen), sollte prüfen, ob nicht hier auch Standardfunktionalität für das Dokumentenmanagement mitgeliefert wurde, die man einsetzen kann. Dies würde zumindest die Beschaffung eines gesonderten Produktes ersparen.

Die Zukunft und der Trend Collaboration-Software

Man braucht also für Dokumentenmanagement nicht immer ein DMS-Produkt. Entscheidend für jeden Anwender ist jedoch, sich auf die regulativen Vorgaben zur Speicherung von kaufmännischen und anderen rechtsrelevanten Informationen und um die Ordnung in der wachsenden Informationsflut zu kümmern. Je mehr ungeordnete Information in Filesystemen, E-Mail-Postkörben und elektronischen Fax-Eingängen bereits vorliegt, des do schwieriger wird es, hier Ordnung zu schaffen. Vielfach ist hier die Planung der Einführung einer DMS-Lösung nicht die Aufgabe eine Systemberaters sondern eines Coaches für persönliches Organisations-, Arbeits- und Zeitmanagement. Wenn der Chef nicht selbst mit gutem Beispiel vorangeht, wird in einem Kleinunternehmen jede DMS-Lösung auf halbem Wege stecken bleiben

Die Beschaffung von geeigneter Software wird für kleinere Unternehmen erschwinglicher, wenn auch nicht übersichtlicher. Entscheidend wird sein, wie viele Standardfunktionalität zukünftig in Office-Paketen mitgeliefert wird. Hier zeigen sich auch neue interessante Entwicklungen unter dem Schlagwort "Collaboration". Im Rahmen des Trends "Collaboration" wird zukünftig einiges an Dokumenten-Technologien auch im Lieferumfang von Betriebs- und Office-Systemen dem Anwender angedient werden. Die Bezeichnungen für die Lösungen sind unterschiedlich, man wird herkömmliche Begriffe wie DMS dort nicht wieder finden. Sie zielen aber alle auf die gleichen Problemstellungen: Das Management unstrukturierter und schwach strukturierter Information, landläufig heute auch Dokumente oder Content genannt. Hier ist in Zukunft von Sun, Microsoft und anderen mit dem Zusatzfunktionalität zu rechnen.

Ungeachtet ob man sich nur organisatorisch, mit vorhandener Standardsoftware oder einem speziellen DMS-Produkt auf die Informationsschwemme einrichtet, ohne entsprechende Hilfsmittel wird man dem Informationswachstum nicht Herr. Dokumente entstehen heute fast ausschließlich elektronisch und der elektronische Geschäftsverkehr durchdringt alle Branchen. Die Zeiten des Aktenordners mit Papier gehen dem Ende zu. Das Äquivalent, der virtuelle elektronische Aktenordner, ist aber noch zu selten vorzufinden. Bei Kleinunternehmen und im Mittelstand herrscht Nachholbedarf!

09/2004, Dr. Ulrich Kampffmeyer





Dr. Kampffmeyer ist Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH, Hamburg, eine produkt- und herstellerunabhängige Beratungsgesellschaft für Informationsmanagement (IM).
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