Enterprise-Search: Welchen Unternehmen ist der Nutzen etwas wert?

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Es ist unbestritten, dass wir alle mit einer zunehmenden Flut von Informationen zurechtkommen müssen. Während wir das Internet mit Hilfe von Websuchmaschinen relativ effizient und effektiv nach Informationen durchsuchen können, ist die Lage unternehmensintern oftmals wesentlich unübersichtlicher: Informationen liegen in Form von Dokumenten neben privaten auch auf unzähligen Gruppenlaufwerken. Daneben existieren unter Umständen zusätzlich eine Reihe von ERP- und anderen Applikationen.

Ein gut strukturiertes Intranet möchte als Dach und Hauptzugangsort für Informationen begriffen werden. Hat es jedoch einen stark kollaborativen Charakter, wächst die Menge der hier generierten und abgelegten Informationen bzw. Dokumente rapide an. Die Orientierung wird dadurch schwierig. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob das gesuchte Dokument denn nun im Kollaborations-Intranet oder noch auf dem Fileserver zu finden ist.

In dieser Situation kann nur eine leistungsfähige Suchlösung helfen, die neben dem Intranet auch noch Fileserver, ERP- und Legacy-Systeme zu durchsuchen in der Lage ist. Eine solche Suchlösung wird als Enterprise Search bezeichnet.


Enterprise Search versus Websuche

Benutzer bringen den Begriff Suche heutzutage in erster Linie mit Websuchmaschinen in Verbindung. Suche wird auf und mit Google, Yahoo etc. erlernt und das Erlernte umstandslos auf die interne Suche übertragen. "Die Suche soll so einfach sein wie Google" ist dann kundenseitig zu hören. Doch bei Enterprise Search kommen – im Gegensatz zur Websuche – ganz andere Anforderungen zum Tragen. Hier die wichtigsten Unterschiede:

  • Während eine Websuche "nur" Websites durchsucht, muss eine Enterprise Search mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Datenquellen zurechtkommen. Anders als HTML-Seiten können Dokumente daher sehr unterschiedlich strukturiert sein, die Dateiformate sind vielfältig.

    Ferner muss eine Enterprise Search in der Lage sein, geschäftlich relevante Entitäten zu erkennen. Und schließlich muss bei der Relevanzberechnung die Wichtigkeit der verschiedenen Datenquellen gegeneinander abgewogen werden.

  • Da es im Web oftmals viele Seiten gibt, die dieselbe Information bereithalten, sind relativ grobe Mechanismen ausreichend. Im Unternehmensumfeld muss die Suche hingegen präziser erfolgen.

    Abweichungen in der Formulierung der Anfrage müssen besser kompensiert werden, da sonst wertvolle Treffer verloren gehen können.

  • Bei der Suche bzw. bei der Auslieferung der Suchresultate muss die Berechtigungsstruktur berücksichtigt werden. Dokumente, die einem bestimmten Benutzerkreis vorbehalten sind, dürfen von den anderen Benutzern nicht gefunden werden.

  • Bei einer Enterprise Search können und sollen weitere Kriterien berücksichtigt werden, wie zum Beispiel Autorenschaft und Zugehörigkeit zu einer Organisationseinheit, aber auch Feedback der Mitarbeiter zu Dokumenten und Suchergebnissen.

  • Die Präsentation der Treffer erfolgt nicht nur nach berechneter Relevanz, sondern kann beispielsweise auch nach Aktualität oder (teilweise) separiert nach Datenquelle erfolgen.


Befragungsergebnisse aus Schweizer Unternehmen und Verwaltungen

Der potentielle Nutzen einer Enterprise Search Lösung liegt auf der Hand:

  • Auf einen Schlag können mehrere Quellsysteme durchsucht werden. So werden nicht nur gesuchte Inhalte schneller gefunden, sondern auch Inhalte, deren Existenz dem Suchenden nicht bekannt war, überhaupt gefunden.

  • Interne Informationen und Wissensträger werden eher entdeckt und berücksichtigt, was den internen Informations- und Wissensfluss beschleunigt. Eine Enterprise Search Lösung steigert so Arbeitsmotivation, Produktivität und Qualität der erbrachten Leistungen.

Aus der Erfahrung mit zahlreichen Intranetprojekten wissen wir aber, dass nur wenige Unternehmen bereit sind, speziell in Suche zu investieren. Meist wird die Suchfunktion eines bereits vorhandenen Produkts (WCMS o.ä.) herangezogen, um die Aufgabenstellung mehr schlecht als recht zu lösen. Suche fristet vielerorts ein Schattendasein, obwohl der Nutzen klar ist, bzw. klar sein müsste.

Doch warum ist das so? Wie steht es um die unternehmensinterne Suche, wie viel Zeit wird mit ihr verbracht? Welche Bedürfnisse haben die Unternehmen tatsächlich? Wie weit sind Enterprise Lösungen verbreitet? Diese und weitere Fragen wurden im Rahmen der von Sieber & Partners in der Schweiz durchgeführten und von Namics unterstützten Studie "Enterprise Search – Katalysator für den internen Informations- und Wissensfluss" untersucht.

Die Ergebnisse sind zwar nicht ganz überraschend, aber doch bemerkenswert. Im Kern ist die aktuelle Situation in den per Online-Fragebogen befragten 233 Unternehmen von recht heftigen Widersprüchen geprägt.

Einerseits stellte sich klar heraus, dass Enterprise Search durchaus ein Bedürfnis ist. So verbringen die befragten Unternehmensvertreter durchschnittlich 18 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Suchen. Besonders schwer zu finden sind fremde, laufende und abgeschlossene Arbeiten und Projekte, aber auch Informationen über Kunden und Partner sowie Informationen aus (Markt-)Forschung und Entwicklung. Die durch mangelhafte oder fehlende Suchmöglichkeiten hervorgerufenen Probleme wie Zeitverlust, Doppelarbeit und Qualitätseinbußen werden von Befragten bestätigt. Gefragt sind Suchlösungen, die eine Reihe von Quellsystemen abdecken.




Frage: Wie wichtig wäre eine gute Suchfunktion für die folgenden Quellsysteme?


Nach den für die Studie definierten Entwicklungsstufen (1-5) liegt der Bedarf bei 75 Prozent der Unternehmen bei einer Lösung der Stufe 3, d.h. bei einer Lösung, die für verschiedene Quellsysteme ordentliche Resultate und zusätzlich für eines oder mehrere Quellsysteme (sehr) gute Resultate liefert.

Andererseits ist festzustellen, dass die unternehmensinterne Realität dem Bedarf hinterher hinkt: Tatsächlich verfügen nur 36 Prozent der befragten Unternehmen über eine Lösung der Stufe 3 oder höher; 46 Prozent müssen mit Lösungen der Stufe 0-2 vorlieb nehmen. Auch wird die Thematik in der Mehrheit der Unternehmen nicht näher untersucht: 69 Prozent der befragten Unternehmen wissen nicht, wie viel Zeit ihre Mitarbeiter mit Suche verbringen; ca. die Hälfte weiß weder, wie stark vorhandene Suchfunktionen genutzt werden, noch ob sie relevante Suchantworten liefern.




Frage: Untersucht Ihr Unternehmen, …?



Enterprise Search lohnt sich

Es scheint, dass der Schuh noch nicht genügend drückt. Die bestätigten Probleme werden nicht als vermeidbare Kosten gesehen, auch der entgangene Nutzen wird nicht beziffert. Da überrascht es nicht, dass für 45 Prozent der Befragten die (erwartete) Höhe der Investitionen gegen eine Enterprise Search Lösung spricht.

Dabei belegen die Befragungsergebnisse, dass sich Investitionen in Enterprise Search effektiv lohnen. So steigt die Zufriedenheit mit der Mächtigkeit der implementierten Lösung an. Bei Implementierung einer Lösung der höchsten Stufe bewerten 80 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen als "finanziell und nicht-finanziell lohnend", bei Implementierung einer Lösung der Stufe 3 beispielsweise nur 35 Prozent.

Ebenso ist der durchschnittliche Suchaufwand bei einer hoch entwickelten Lösung (Stufe 5) um 33 Prozent niedriger als bei einer Lösung der Stufe 0.




Frage: Haben sich Ihre bisherigen Investitionen in bessere Suchmöglichkeiten gelohnt?


Die auf dieser Grundlage für die Studie vorgenommene – konservative – Beispielrechnung zeigt auf, dass bei einer Reduzierung des Suchaufwands um nur 15 Prozent umgerechnet ca. 2.200 Euro je Mitarbeiter und Jahr eingespart werden können. Bereits bei einer Zahl von 120 Mitarbeitern können auf diese Weise bereits im ersten Jahr Einsparungen (nach Abschreibungen und laufenden Kosten) in Höhe von 100.000 Euro getätigt werden, bei einer höheren Mitarbeiterzahl entsprechend mehr. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße lässt sich also gut ein Business Case rechnen.


Wie wird es in Sachen Enterprise Search in den Unternehmen nun weitergehen?

Für drei Viertel der Studienteilnehmer ist das Fazit zum Thema Enterprise Search positiv; 44 Prozent geben an, das Potenzial erkannt zu haben, 61 Prozent gedenken in Enterprise Search Lösungen zu investieren.

Die Aussagen der befragten Studienteilnehmer bieten daher Grund zur Annahme, dass in den nächsten Jahren zahlreiche Enterprise Search Projekte gestartet werden. Wir sind daher gespannt, welchen Unternehmen der Nutzen von Enterprise Search etwas wert sein wird.


Die Studie "Enterprise Search – Katalysator für den internen Informations- und Wissensfluss" umfasst weitere Befragungsergebnisse, eine thematische Einführung sowie Empfehlungen für Implementierung und Betrieb und kann bei Namics bestellt werden.

08/2009, Markus Steinbach





Markus Steinbach ist Senior Consultant bei Namics. Seine Schwerpunkte sind Anforderungsanalysen und Konzeptionen für Internet-, Intranet- und Extranetprojekte sowie Information Retrieval. Er hat verschiedenen Projekten im Bereich Site-Suche umgesetzt.

Mehr Informationen zu Namics AG


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