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Media Asset Management

 
Im Zuge der fortschreitenden Multimedialisierung in unserem Informations- und
Medienzeitalter wird es immer wichtiger, multimediale Inhalte wie Bilder, Grafiken,
Audios, Videos, technische Zeichnungen, Layouts und Präsentationen, die in den
unterschiedlichsten Formaten vorkommen, optimal zu verwalten.
Mit der wachsenden
Verbreitung von Informationen in multimedialer Form – man betrachte z.B. die Verwendung
von Webcasts, Videos on Demand zur Kundeninformation oder Elearning Angebote zur
internen Weiterbildung oder zu Schulungszwecken – ist die Verwaltung von Medienobjekten
nicht länger nur ein Thema für Medienunternehmen sondern auch für Organisationen, deren
primäres Ziel nicht die Erstellung oder der Vertrieb von medialem Inhalt ist.
Brauchen letztere aber ein Media Asset Management (MAM) System oder können die
multimedialen Inhalte in einem herkömmlichen Enterprise Content Management (ECM) System
mitverwaltet werden? Was sind überhaupt die Unterschiede zwischen MAM und ECM, falls es
sie gibt? Können mit einem ECM System nicht die gleichen Informationsobjekte verwaltet
werden wie mit einem Media Asset Management System?
Definitionen
In der Finanzwelt bezeichnet das Asset Management die Vermögenswertverwaltung. Das Media
Asset Management versucht die Vermögenswerte, die Medieninformationsobjekte für ein
Unternehmen darstellen, zu verwalten und zur optimalen Nutzung zur Verfügung zu stellen.
Ziel des Media Asset Managements ist somit, ein effektives und effizientes Management von
multimedialen Informationen zu ermöglichen und dadurch einen wirtschaftlichen Nutzen und
Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Medien sollen wieder verwertbar, auffindbar und
cross-medial einsetzbar verwaltet werden. Die Verwaltung von Medieninformationsobjekten
wird oft auch als Digital Asset Management bezeichnet. Dies wird als Synonym zu MAM
gesehen.
Ein Media Asset ist grundsätzlich eine Form von Content
Content ist Information in
strukturierter, schwach strukturierter und unstrukturierter Form, die in elektronischen
Systemen zur Nutzung bereitgestellt wird. Ein Media Asset besteht zum einen aus medialen
unstrukturierten Informationsobjekten wie Bildern, Grafiken, Präsentationen oder
Rich-Media-Inhalten wie Audio und Video, zum anderen aus strukturierten Metainformationen.
Die Bezeichnung Rich-Media bezieht sich auf digitale, interaktive Inhalte und wird
weitestgehend synonym mit dem Begriff Multimedia verwendet.
Erst durch das Hinzufügen der
strukturierten Metadaten wird aus einem Medieninformationsobjekt, welches lediglich
Informationen darstellt, ein "wertbehaftetes Asset", welches verfügbar, recherchierbar,
wieder verwendbar und handhabbar wird. Die strukturierten Metadaten beinhalten
beispielsweise Informationen zum Autor, zu Urheberrechten, Erstellungsdatum und
Format-informationen sowie Informationen zum Farbmanagement und Inhaltsbeschreibungen.
Zur Verwaltung und Bereitstellung von Media Assets können Media Asset Management Systeme
eingesetzt werden, die versuchen, den speziellen Anforderungen der Medienbranche und den
Besonderheiten in der Verwaltung multimedialer Inhalte gerecht zu werden.
Was macht ein Media Asset Management System aus?
Das Media Asset Management sorgt für die Aufnahme, Speicherung, Kategorisierung,
Indizierung und Bereitstellung von Media Assets mit der Prämisse, eine hohe
Bearbeitungsgeschwindigkeit und eine optimale Wiederverwendung zu ermöglichen. Ein Media
Asset Management System verwaltet beliebige Inhalte über Metadaten und Datenbanken.
Über die Kernfunktionalitäten eines Content Management Systems hinaus – die Bereitstellung
eines Repository, den Metadaten-Index, eine Search Engine, ein Zugriffs- und
Berechtigungssystem und Workflow oder Collaboration – verfügt ein MAM-System über weitere
für den Einsatz in der Medienwelt typische Funktionalitäten.
MAM-Systeme sind auf hohe Skalierbarkeit zur Speicherung sehr großer Datenmengen und für
den Umgang mit sehr großen Dateien ausgelegt. Sie verfügen über Funktionen zur
Bildbearbeitung mit Features wie Resizing, Farbkonvertierung und Konverter für
Media-Formate, um den gespeicherten Content in unterschiedlichen Formaten für die
Online-Nutzung und die Distribution zur Verfügung zu stellen. Zur Handhabung der
speziellen visuellen Inhalte verfügen MAM-Systeme in der Regel über
Bilderkennungsverfahren zur ähnlichkeitsbasierten Suche und neben Text Indizierung z.B.
auch über Funktionen zur Video Indexierung.
Grundsätzlich können MAM-System danach unterschieden werden, ob sie intern eingesetzt
werden, als Partnersysteme oder aber als öffentliche Systeme mit Vertriebfunktionen. Mit
der Nutzung über Unternehmensgrenzen hinweg wachsen die Sicherheitsanforderungen und vor
allem die Anforderungen an die Wahrung von Urheberrechten. In dem Zusammenhang können als
typische mögliche Features Watermarks, Digital Rights Management und Usage Tracking
gesehen werden. Systeme, die zu kommerziellen Zwecken eingesetzt werden, sind zudem in der
Regel mit eProcurement-Komponenten zur Abrechnung der Nutzung von Assets ausgestatte.
MAM-Systeme verwalten nicht nur elektronisch vorliegende Informationen sondern können auch
als Referenzsystem für physisch vorliegende Objekte mitgenutzt werden. Dies erlaubt eine
einheitliche, medientypunabhängige Verwaltung von Assets.
Ein weiterer integraler Bestandteil ist das "CrossMedia-Publishing". Mit dieser
Eigenschaft kann ein MAM-System gleichen Inhalt über unterschiedliche technische Kanäle
publizieren. Nach dem Motto "create once, publish everywhere" können beispielsweise die
Bereiche Druck, Internet und Multimedia mit gleichem Inhalt aus dem MAM-System bedient
werden. Unter gleichen Gesichtspunkten ist auch Content Syndication, die mehrfache Nutzung
von Inhalten auf verschiedenen Anbieterseiten mit unterschiedlicher Visualisierung und
Informationszusammenstellung zu sehen. Voraussetzung dafür ist die Speicherung der Inhalte
in medienneutralen Formaten, aus denen für die unterschiedlichsten Anwendungszwecke die
benötigten Formate automatisch generiert werden können.
Wo liegen die Unterschiede zwischen ECM und MAM?
Die Unterschiede zwischen ECM und MAM resultieren aus ihrer Entwicklungsgeschichte.
Dokumenten Management ist für den Zweck geschaffen worden, den juristischen und
geschäftsprozessrelevanten Dokumentenbestand eines Unternehmens verwalten zu können.
Diese dokumenten-orientierten Systeme waren zunächst nicht dafür gemacht, den
Anforderungen aus dem Bereich der Medien-Unternehmen gerecht zu werden. Aus dieser Lücke
heraus ist Media Asset Management entstanden, um den Wert des Unternehmens in Form
von Texten, Grafiken, Bildern und Rich-Media-Formaten verwalten zu können und verfügbar zu
machen.
Herkömmliche ECM-Systeme können grundsätzlich jegliche Form digitaler Daten managen, auch
die Dateiformate, auf die MAM-Systeme spezialisiert sind; sie verfügen aber in der Regel
nicht über die Anzeige-, Bearbeitungs- und Konvertierungsfunktionalitäten die ein
MAM-System bereitstellt. Media Asset Management konzentriert sich demnach auf einen
relativ kleinen, sehr spezialisierten Bereich in der ECM-Landschaft.
Ständige Verfügbarkeit und kommerzielle Nutzbarmachung der Informationsobjekte stehen beim
Media Asset Management an erster Stelle. Aus diesem Grund unterscheiden sich ECM und MAM
auch auf technischer Ebene.
Anders als bei einem MAM-System wird ein herkömmliches ECM-System in der Regel mit einer
Referenzdatenbank realisiert, die im Index Referenzen der Informationsobjekte speichert.
Das MAM-System dagegen speichert die Informationsobjekte direkt in spezialisierten
Datenbanken, welche auch eine höhere Performance in Bezug auf die Verfügbarkeit mit sich
bringen. Um die Verfügbarkeit auch bei stark frequentierten Systemen garantieren zu
können, werden im MAM Informationsobjekte auch redundant gehalten. Bei ECM-Systemen wird
dies nach Möglichkeit aus Konsistenz-, Zugriffsschutz- und Verwaltungsgründen vermieden.
Die redundante Datenhaltung zur Verbesserung der Verfügbarkeit geht einher mit
Load-Balancing-Komponenten, die die Anfragelast optimal auf die verschiedenen Datenbanken
verteilen.
ECM- Marktentwicklung: Annäherung
Auf dem ECM-Markt ist eine zunehmende Annäherung von MAM und ECM zu beobachten:
Im Zuge der Erweiterung ihrer Produktlinien haben einige ECM-Hersteller ihr Portfolio
durch den Zukauf von MAM-Lösungen erweitert. Dazu gehören z.B. Documentum mit BullDog,
FileNet mit eGrail, Interwoven mit MediaBin und OpenText mit Artesia. Die Entwicklungen im
Umfeld von SOAP und Open Architecture zeigen neue Möglichkeiten der Integration von
MAM-Diensten auf.
Damit reagieren die Hersteller auf den wachsenden Bedarf an der umfassenderen Verwaltung
von Rich-Media Inhalten, integriert mit der Verwaltung aller Unternehmensinformationen.
Solange diese Entwicklung noch in den Anfängen steckt, ist die Frage, ob Media Assets
nicht mit einem herkömmlichen ECM-System verwaltet werden können, nicht eindeutig zu
beanworten:
Es ist abhängig von der Rolle, die die Media Assets für ein Unternehmen
spielen. Sind sie das Produkt eines Unternehmens und stellen somit seinen
Hauptunternehmenswert dar, sind sicherlich momentan noch MAM Produkte mit ihren
spezialisierten Features für Medienunternehmen am besten geeignet. Sind multimediale
Informationsobjekte nur eine Art von Unternehmensinformationen die zu verwalten sind,
neben elektronischen Dokumenten, E-Mails etc., so ist sicherlich ein ECM-System mit
MAM-Funktionalitäten ausreichend.
Quelle: Ausgabe 20070529 des PROJECT CONSULT Newsletters, ISSN 1439-0809.
06/2007, Dr. Ulrich Kampffmeyer

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