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DMS EXPO Nachklang - Nach der DMS EXPO ist vor der DMS EXPO

 
Immerhin markiert die DMS EXPO bereits seit einigen Jahren
verlässlich den jährlichen Meilenstein der DRT-Branche in Deutschland (DRT ist das Akronym
für Document Related Technologies).
Die diesjährige DMS EXPO wurde dabei besonders scharf von Ausstellern, Analysten und Anwendern ins Auge genommen, schließlich
war es das erste Jahr nach dem Umzug. Viele erwarteten dementsprechend auch einen
Neuanfang, einen stürmischen Aufbruch, ein neues Konzept für Branche, Messe, Kongress und
Markt. Es blieb letztlich bei kleineren Verbesserungen und Veränderungen. Ja, es hätte
mehr, und es hätte anders sein können.
Der Wiedererkennenswert war für die ständigen Besucher der Veranstaltung nicht zu übersehen. Man fühlte sich gleich Zuhause, es war wie
immer. Kann man dies aber als Maßstab nehmen? Nein, es zählen diejenigen, die neu zur DMS
kamen, noch nie oder nur einmal da gewesen waren. Sie sind das "frische Blut" für die
Aussteller, sie sind der Maßstab für den Erfolg. Man soll also nicht immer auf die alten
Meckerköpfe - wie den Autor - hören, sondern ruhig auch mit Konzepten weitermachen wenn
sie denn Erfolg versprechen.
Die DMS EXPO war ein Erfolg
Es waren wirklich mehr Besucher. Es waren wirklich mehr neue Besucher. Und die Anbieter waren diesmal wirklich
zufriedener. So gesehen ein voller Erfolg – auch ohne neue Konzepte oder Anreize. Anders
als in München muss man zur DMS EXPO keine Schüler busweise ankarren. Die Qualität und das
Niveau der Besucher sind hoch. Und der Markt boomt. Es gab die letzten Jahre noch nie so
viele neue Projekte und Ausschreibungen wie in diesem Jahr. Die DMS EXPO profitierte von
diesem Boom. Nur die Veränderung der Anbieterlandschaft treibt Sorgenfalten in die
Gesichter der Verantwortlichen: was passiert, wenn noch mehr Firmen von den Großen
aufgekauft werden, wenn es dann nur noch einen gemeinsamen Stand für OpenText &
Hummingbird oder IBM & FileNet
oder "xyz & abc" gibt.
Muss man sich stärker auf die Integratoren und Systemhäuser stürzen? Muss man mehr
Branchenfokus in die Veranstaltung hineinbringen? Welche neuen Themen müssen adressiert
werden?
Einen positiven Seiteneffekt wird allerdings bereits in 2007 geben – parallel zur DMS EXPO
wird erstmalig eine Netzwerkmesse veranstaltet, deren Besucher ebenfalls freien Eintritt
in die DMS EXPO bekommen.
Die Halle in Köln war relativ dicht gepackt, die Gänge eng und damit voll. Übersichtlich
für den Newcomer war es sicherlich nicht – da halfen auch die Führungen wenig. Der VOI
mit seiner Veranstaltungsarena dominierte das Zentrum der Halle und
war auch unbestrittenes Zentrum des Interesses. Zwar hätte der Veranstalter gern gesehen,
dass der eine oder andere Unteraussteller beim VOI sich doch einen eigenen, angemesseneren
Stand zugelegt hätte – aber was noch nicht ist kann noch kommen. Das Präsentationsforum
war in jedem Fall immer gut gefüllt.
Gut machte sich auch der Fokus auf das Thema
"Storage". Dieses Thema gehört einfach auf die DMS EXPO und bietet ein noch nicht
ausgeschöpftes Potential an Themen, Ausstellern und Besuchern. Gleiches gilt für "Output
Management". Dieser Zweig des ECM Enterprise Content Management gehört ebenfalls in die
DMS EXPO integriert. Die Zusammenarbeit mit dem xPlor Deutschland e.V.
ist daher ein Schritt in die richtige Richtung.
Innovationen waren wenige zu sehen
Das klassische Dokumentenmanagement ist offenbar
Matur. Erstmals rührten sich verstärkt die Anbieter von OpenSource-Software ohne dass hier
im Bereich des ECM kurzfristig eine ähnliche Entwicklung wie beim WCM zu erwarten wäre.
Alfresco, Axinom, ein wenig Typo3
im Verein mit d.velop d3, an einer Ecke
Magnolia, sehr versteckt auch etwas openCMS.
Aber die DMS EXPO ist auch keine Messe für die OpenSource oder
Web-Content-Management-Community. Noch haben die kommerziellen Produktanbieter das Sagen.
Über vielen Präsentationen schwebte mehr oder weniger verschleiert das Thema
Automatisierung
Automatisierung im Posteingang ist dabei nur ein Aspekt. Automatisierte
Übernahme von Dateien, E-Mails und anderen elektronischen Dokumenten ist ebenso wichtig
geworden. Die Informationsflut zwingt zur Automatisierung, auch wenn hierdurch die Rolle
des Menschen in der Bürowelt in Frage gestellt wird. Ein Hindernis, dass nicht nur die
Automatisierung sondern alle IT-Verfahren betrifft und in Zukunft mehr Bedeutung erlangen
wird, ist die Qualität der Informationen.
Zentrale Directory Services, Master Data
Management Services, harmonisierte federated Repositiories als einheitliche Speicherorte,
Information-Management-Administrationssoftware und kontrollierte Prozesse rücken immer
mehr in das Gesichtsfeld. Dieses Jahr war zu diesen Themen noch nicht viel zu sehen – dies
wird sich ändern.
Dafür schmückten sich sehr viele Anbieter mit einem anderen modernen
Slogan – SOA, Service Oriented Architecture. Übrigens auch für Software, die lange vor dem
Aufkommen dieses Trends entstanden war. Jeder spricht davon, dass seine Software bereits
so modularisiert ist, dass unabhängige Dienste in eine SOA-Architektur eingebaut werden
können. Nachfragen zu Protokollen, Parametrisierung, Transaktionssicherheit, Performance,
Schnittstellen, Orchestrierung, Bus-Systemen, Portalintegration, EAI-Servern, SOAP und
anderen Details konnten dann meistens schon nicht mehr beantwortet werden. Vielleicht wird
bei den Anbietern vergessen, dass neue Schlagworte auf den Prospekten sich auch in der
Weiterbildung der Mitarbeiter niederschlagen müssen.
Und es gab dieses Jahr auf der DMS EXPO auch erstmals einen Award für Innovation, der an
die Firma ELO ging – berechtigt. Eine der wenigen echten Innovationen
auf der diesjährigen DMS EXPO bei ELO zusammen mit IKEM zu finden. IKEM ist eine
thesaurusbasierte multilinguale Suche, die es ermöglicht auch fremdsprachliche Texte zu
recherchieren. Die Software unterstützt unterschiedliche Typen von Beziehungen wie auch
Synonyme und Abkürzungen.
Die Software IKEM.QueryBuilder stammt von der belgischen
Firma Vartec b.v. und wurde in ELO integriert. Diese Kombination mit
ELO führte damit zu einer der seltenen ECM-Lösungen, die dem vom Autor bereits Anfang der
90er Jahre publizierten Anspruch eines multilingualen Dokumentenmanagement-Systems
entspricht [1]. Die Such- und Thesaurusfunktionalität wird von Vartec als Grundlage
für Wissensmanagement gesehen und ist auch für andere ECM-Produkte als Komponente
verfügbar.
Neue Produkte gab es aber auch von anderen Anbietern. Stellent
machte Ausflüge in die Welt des WCM mit Foren-, Wiki- und Blog-Funktionalität. Ähnlich wie
Braintribe setzen immer mehr Anbieter auf AJAX-basierte
Benutzeroberflächen.
Der Unterschied zwischen Fat-Client und Web-Client verschwindet immer
mehr
Waren dieses Jahr nur wenige AJAX-Clients zu sehen werden sie bereits nächstes Jahr
der Standard für die Web-Oberflächen bei ECM sein. Documentum kam mit einem ganzen
Warenkorb an neuen Einzelmodulen und Produkten. Von WCM-Lösungen über unterschiedliche
Archiv- und Records-Management-Module, die Integration von Captiva
bis hin zu neuen Speichersystemen fand sich sehr viel –
was erstmal irgendwie vernünftig einsortiert werden muss.
Bei SAP
geht es eher schleichend ohne Marketinggetöse voran, Records Management, Business Workflow
und Dokumentenmanagement finden bei SAP-Anwendern immer mehr Verbreitung. Favorisiert wird
von SAP in neuen Lösungen Netweaver und der XI-Bus. Für ältere Systeme muss man sich
langsam auf Updates einrichten um ECM-Funktionalität sinnvoll integrieren zu können.
Bei
Microsoft ist man in Wartehaltung, die Produkte sind als
Beta-Versionen hinlänglich bekannt. Die umfassende ECM-Strategie gibt es als Whitepapers,
im realen Produktportfolio klaffen dennoch Lücken und es finden sich kleine
Inkompatibilitäten. Der große Wurf kommt mit Vista und den 2007-Servern. Alle Anbieter
beeilen sich zumindest für E-Mail als auch für den SPS schon einmal die entsprechenden
Interfaces anzukündigen. Um Microsoft kommt man nicht mehr herum. Die Gravitation des
Software-Riesen Microsoft wird immer stärker spürbar wenn selbst Unternehmen wie OpenText
sich mit einem Mal als Zusatzkomponenten-Lieferant und Lösungsanbieter im Microsoft-Umfeld positionieren.
Bei IBM wurde wohl am häufigsten die Frage gestellt, wie es denn mit FileNet
weitergeht. Da die Transaktion noch nicht offiziell abgeschlossen war, gab es auch keine
Auskünfte. FileNet und IBM beäugten sich von weitem. Da nicht nur FileNet den Besitzer
gewechselt hatte sondern auch die Firmen Hummingbird von
OpenText und Captiva von EMC kurz vor der DMS EXPO
übernommen worden waren, war das Thema Konsolidierung und die Positionierung der großen
Softwareanbieter in aller Munde – so auch in der Diskussionsrunde von Frau Grenzebach,
ECMGuide, oder im BPP Best Practice Panel zu ECM Enterprise
Content Management des Autors.
Eines ist noch positiv anzumerken: PDF/A wird inzwischen als Archivierungsstandard
anerkannt
Initiativen und Veranstaltungen machen den
ISO-19005-Standard hoffähig. Während der Autor in Projekten im Jahr 2004 noch nach
Lösungen suchen und mit den Anbietern um die Implementierung ringen musste, gab es auf der
DMS EXPO eine Vielzahl von Angeboten zur Unterstützung von PDF Archive. TIFF als
Archivformat befindet sich damit langsam auf dem Rückzug.
[1] siehe hierzu: Ulrich Kampffmeyer: Multilinguale Dokumenten-Retrievalsysteme,
Implementierung und Beispiele. S. 223-241; in: Gerhard Knorz, Jürgen Krause, Christa
Womser-Hacker (Eds.): Information Retrieval '93: Von der Modellierung zur Anwendung,
Proceedings der 1. Tagung Information Retrieval '93, 13.-15. September 1993, Universität
Regensburg. Schriften zur Informationswissenschaft 12, Universitätsverlag Konstanz, 1993,
ISBN 3-87940-473-9.
11/2006, Dr. Ulrich Kampffmeyer

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