Die Qual der Wahl - Schwierigkeiten bei der ECM Anbieterauswahl

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Die Flut an elektronischen und gedruckten Dokumenten mit denen Unternehmen heute umgehen müssen wächst stetig und lässt sich ohne verwaltende Systeme längst nicht mehr eindämmen. Viele Dokumente sind zudem aufbewahrungswürdig oder sogar aufbewahrungspflichtig. Die Pflicht, Dokumente langfristig revisionssicher aufzubewahren, wird neben den GDPdU (Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen) auch in zahlreichen Gesetzestexten wie der AO (Abgabenordnung) dem HGB oder den GoBS (Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchhaltungssysteme) angeführt. Unternehmen stehen also zunehmend unter Druck ein fachlich und rechtlich ausreichendes Enterprise Content Management (ECM)- oder Dokumenten Management (DM)-System einzusetzen, dessen Funktionen im Idealfall perfekt an die Unternehmensbedingungen angepasst sind.

Die Wahl der richtigen Lösung fällt durch den unüberschaubarer ECM-/DMS Markt schwer. Neben einer handvoll so genannter "Global Player" wie ECM, FileNet, IBM oder OpenText, die sehr komplexe Lösungen anbieten, gibt es zahlreiche kleine und mittlere Anbieter aus den unterschiedlichen Bereichen z. B. Archivierung, Dokumenten Management oder Web Content Management. Ihre Lösungen decken meist nur bestimmte Content-Funktionen ab.

Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, ein System zu finden, dessen technischen Möglichkeiten auch tatsächlich gebraucht und ausgenutzt werden. Für KMUs bieten die ganzheitlichen Content-Management-Lösungen der Global Player eine unnötige Funktionsvielfalt, zudem sind solche komplexen Lösungen für die meisten KMUs unbezahlbar. Auf der anderen Seite deckt nicht jeder Anbieter einer kleineren Lösung alle ECM-Funktionen gleich gut und aus eigener Hand ab. In der Regel gilt, kein Content-Problem verlangt alle ECM-Funktionen. Braucht ein Unternehmen eine einfache Archiv-Funktion, ist keine Postkorb- oder Workflow-Lösung nötig.


Enterprise Content Management Module [1] sind je nach Definition:

- Elektronisches Dokumenten Management (EDM) /DMS
- Archivierung
- COLD (Computer Output on LaserDisk)
- Postkorb/Workflow
- Collaboration
- Records Management
- ERP-Content
- Output Management System
- Elektronische Formulare (E-Forms)
- Web Content Management (WCM) / Portale
- Engineering Data Management (EDM) / Product Data Management (PDM)

Damit das optimale Produkt gefunden wird, muss der Anwender genau wissen, was für Module er braucht und welche Funktionen von diesen abgedeckt werden müssen. Das erfordert ein umfangreiches Grundwissen in allen Bereichen des ECM, denn erst mit dem nötigen Verständnis kann eine optimale Lösung gefunden werden.

Neben der Auswahl der benötigten Funktionen muss auch die Frage geklärt werden, welcher Systemaufbau der Lösung sich für das Unternehmen eignet.


Wichtige Architekturentscheidung

Die Architektur meint den Aufbau des Systems bzw. den Zusammenhang der einzelnen Komponenten. Es gibt verschiedene Architekturen deren Vor- und Nachteile von der individuellen Situation des Unternehmens abhängen beispielsweise der Unternehmensgröße und der Anzahl der Systemanwender. Zur Auswahl stehen, die einfache Desktop-Lösung, die Client-Server-Architektur oder die N-Tier-Architektur. [2]

Eine Desktop-Lösung eignet sich für kleine Anwendergruppen. Alle Applikationen (Anwendungen) und ECM-Funktionen laufen auf dem Client, also dem lokalen PC ab.

Die Client-Server-Architektur oder 2-Tier-Architektur wird im KMU-Umfeld sehr häufig verwendet. Das System besteht aus einer dezentralen Komponente dem Client, der mit der zentralen Komponente dem Server in Verbindung tritt. In diesem Fall erfolgt also eine Arbeitsteilung, alle ECM-Funktionen laufen nicht mehr auf dem Client sondern auf dem Server ab.

Die N-Tier-Architektur beschreibt ein mehrschichtiges System. Typischerweise besteht diese Architektur aus drei Komponenten. Das System ist in eine Präsentationsschicht (Client), wobei für die Präsentation dann z.B. Windows XP verantwortlich ist, eine Applikationsschicht (Applikations-Server) und eine Dokumenten- und Datenschicht (Daten-Server) aufgeteilt. Diese Lösung ist sehr komplex und erfordert einen hohen Administrationsaufwand.


Fazit

Voraussetzung für die Auswahl einer passenden Lösung ist eine detailliert geplante ECM-Strategie. Neben den beschriebenen funktionalen und architektonischen Entscheidungen sind zahlreiche weitere Faktoren ausschlaggebend. Neben ersichtlichen Faktoren wie Kosten (Anschaffungskosten, Einrichtungskosten, Wartungskosten) oder Migrationsaufwand (wenn eine Migration nötig ist) müssen auch Themen beachtet werden, die leicht vergessen werden wie die Zukunftssicherheit der Lösung, Lizenzen (Trainings- und Entwicklerlizenzen), Kosten für Drittprodukte, Customizing-Aufwand … Der Anwender muss genau hinterfragen, wo die Grenzen des Produktes liegen. Ist erstmal eine vorschnelle und am Ende falsche Systemauswahl getroffen wurden, sind nicht nur hohe Kosten die Folge.


Eine große Hilfe bei der Systemauswahl bieten externe Berater

Unabhängige Beratungsunternehmen bieten Know-how bei der Anbieter und Lösungssuche. Doch eine qualifizierte Beratung ist oft sehr kostenintensiv. Eine Alternative bieten fachspezifische Workshops und Seminare, die von unabhängigen Beratungsunternehmen angeboten werden. Sie vermitteln dem Anwender den nötigen Überblick und das nötige Wissen über das Themenfeld DMS/ECM und geben ihm nützliche Werkzeuge für die Anbieterauswahl an die Hand.

Besonders hilfreich sind Intensiv-Seminare zur Einführung in die Thematik, wie sie u.a. Zöller & Partner anbieten. Denn mit oder ohne externen Berater erfordert die ECM-Praxis viel Verständnis für die Zusammenhänge von den Anwendern.


Quellen
[1] / [2] Vgl. Seminarunterlagen Zöller & Partner GmbH: Elektronische Archivierung / Dokumenten Management, 09/2006.

10/2006, Claudia Weidner



Claudia Weidner arbeitet seit Anfang 2006 als Online-Redakteurin bei FEiG & PARTNER, dem Online-Fachverlag für IT-Portale. Sie ist für die redaktionelle Betreuung der Portale Contentmanager.de, Documanager.de und CRMmanager.de verantwortlich.


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