Interview mit DocuWare AG-Vorstand Jürgen Biffar zum Thema E-Mail-Archivierung

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E-Mails haben sich in der Geschäftswelt zu einem unersetzlichen Kommunikationsmedium entwickelt. Die Archivierung von E-Mails gilt aktuell als eines der Hype-Themen der IT-Branche. Wie sehen Sie den momentanen Stand in den Unternehmen in punkto Interesse und Umsetzung?

Das Interesse ist da, natürlich in unterschiedlicher Ausprägung. Im Wesentlichen gibt es drei Motive, die zur E-Mail-Archivierung führen:

1. Die E-Mail-Flut wird zu einem technischen Kapazitätsproblem für den Administrator.
2. Rechtliche Vorgaben zwingen zur ordnungsgemäßen Aufbewahrung.
3. Die geordnete Ablage von E-Mails erhöht die Effizienz im Unternehmen.

Während die ersten beiden Motive nur der "Problembekämpfung" dienen, bringt das Motiv 3 einen echten Mehrwert für die Unternehmen. Dementsprechend sollte darauf geachtet werden, dass, auch wenn technische oder rechtliche Notwendigkeiten der Auslöser für E-Mail-Archivierung sind, zusätzlich eine Effizienzsteigerung erreicht wird.


In E-Mails verbirgt sich mittlerweile ein großer Teil des in Unternehmen vorhandenen Wissens. Welchen Lösungsansatz empfehlen Sie hier in punkto Archivierung und wie sollen Unternehmen an ein entsprechendes Projekt herangehen?

Die Frage bestätigt unsere in der ersten Antwort aufgestellte Forderung. Das E-Mail ist neben dem Papier oder der einzelnen Datei eines von mehreren Informationsträgern, die in "dokumentartiger" Form vorliegen. All diese unterschiedlichen technischen Dokumenttypen sollten thematisch geordnet in einem zentralen Dokumenten-Pool abgelegt und archiviert werden. Dort können sie dann anhand der Ordnungskriterien und anhand von intelligenten Volltextsuchen im Inhalt leicht wieder gefunden werden. Leistungsfähige Dokumentenmanagement-Lösungen wie DocuWare bieten zahlreiche Automatismen, um die Vielzahl der Dokumente möglichst einfach und trotzdem geordnet abzulegen.


In der Praxis werden aktuell zwei Lösungsansätze diskutiert: Die Archivierung unmittelbar nach dem Eingang der E-Mail bzw. nach der Bearbeitung. Wo sehen Sie die Vor-/Nachteile dieser Verfahren?

Die Archivierung unmittelbar nach dem Eingang der Mails dient in der Regel ausschließlich der Befriedigung der eingangs genannten ersten beiden Motive, nämlich der Entlastung der E-Mail-Server und der Einhaltung gesetzlicher Regeln. Eine sichere, geordnete Ablage aller Mails ist damit nicht möglich. Um die elektronische Post geordnet abzulegen und diejenigen Mails auszusondern, die überflüssig sind, muss der Empfänger selbst mitwirken. Das System kann ihm dies durch die vorgenannten Automatismen erleichtern. In vielen Fällen wird beides gemacht: Sofortige Archivierung in ein "Maileingangsarchiv" und zusätzliche geordnete Ablage gemeinsam mit anderen Dokumenten. Aufgrund der niedrigen Massenspeicherpreise ist das ein pragmatischer Ansatz.




Jürgen Biffar

Ist eine Revisionssicherheit der archivierten E-Mails Ihrer Ansicht nach notwendig? Was spricht dafür, was dagegen und wie könnte diese gegebenenfalls gewährleistet werden?

Das hängt ganz von den Vorschriften ab, die für Branchen und Betriebsgrößen unterschiedlich sind. Dort, wo Revisionssicherheit verordnet ist, muss diese auch für E-Mails gelten. Ein Minimum an Revisionssicherheit bietet jedes gute Dokumentenmanagement-System für alle Dokumentarten, also auch für E-Mails, indem es Manipulation verhindert, Zugriffsmöglichkeiten steuert und die Aktivitäten protokolliert.


Wie kann die Thematik E-Mail mit anderen Prozessen verknüpft werden bzw. ist dies Ihrer Ansicht nach überhaupt nötig (Stichwort ILM)?

Ein gutes Dokumentenmanagement-System behandelt ein E-Mail wie jedes andere Dokument. E-Mail ist damit nur eine andere technische Erscheinungsform ein- und derselben Dokumentart. Eine Bestellung oder ein Urlaubsantrag können auf Papier, per Fax oder per E-Mail eingehen. Damit ist auch das E-Mail den üblichen Workflow-Prozessen eines DMS zuzuführen.


Experten sehen E-Mails als einen der "Schuldigen" für das steigende Datenwachstum in den Unternehmen. Sehen Sie das ebenso und was können Firmen machen, um dem ungezügelten Daten- und Mail-Aufkommen entgegenzuwirken?

Das gleiche, was sie gegen die Papierflut tun: Aussortieren und wegwerfen. Beim Papier erfolgt dies in der Poststelle, bei der Sekretärin oder durch den Empfänger selbst – mit allen Unsicherheiten. Bei den E-Mails gibt es immer bessere technische Möglichkeiten zur Filterung – Stichwort SPAM-Filter. Aber letztlich werden wir uns daran gewöhnen müssen, aus der Vielzahl der verbleibenden E-Mails diejenigen auszusortieren, die wichtig sind. Das funktioniert genauso wie beim klassischen Postkorb. Leider schwingt beim Thema E-Mail viel Emotion mit, die einer nüchternen Betrachtung weichen sollte. Die technischen Kapazitätsengpässe jedenfalls sind durch die zuvor genannten Lösungen heute leicht zu bewältigen.


07/2006, Birgit Schuckmann





Birgit Schuckmann ist freie Fachjournalistin in München.

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