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In welcher Liga spielt Microsoft?

 
In den letzten Jahren hat Microsoft seine Office Produkte kontinuierlich weiterentwickelt.
Dabei standen die Produktfamilien zur individuellen Dokumentenerstellung, zur
Datenverwaltung und zur Datenablage bisher nur in minimal integrierten Modulen zur
Verfügung. Mit dem Office System 2007 werden Ende 2006 integrierte Tools zur persönlichen
Arbeit und zur Zusammenarbeit angeboten. Damit will Microsoft den Anschluss an die
etablierten Anbieter von ECM Systemen schaffen. Analysten wie Forrester oder Gartner ordnen Microsoft schon bei den Aufsteigern
ein. Die Frage ist:
Wann wird Microsoft nicht nur im Marketing ein ernstzunehmender Spieler auf dem
ECM-Terrain?
Die Basis für die verbesserte Zusammenarbeit wird mit einem einheitlichen, allerdings
Microsoft spezifischen XML, gelegt. Die Definition dieser XML Variante ist frei
verfügbar. Die Funktionalität wird sich neben der reinen Erstellung von Dokumenten auch
auf die Nutzung von Daten erstrecken. Dabei werden die Formulare in InfoPath definiert und
in Office Anwendungen eingebunden.
Die Zuordnung von Feldern in InfoPath und auf dem
Sharepoint Server erfolgt anwenderfreundlich über einen Wizard. Die eingegebenen Daten
werden dann an den Sharepoint Server übergeben und können dort auch einen Workflow
anstoßen. Diese Funktionalität ist allerdings nur gegeben, wenn Office Dokumente im
XML-Format und nicht als DOC abgespeichert werden. Damit ist das Ende des alten
DOC-Formates beschlossen. Es wird durch das XML Format in Dateien mit der Endung DOCX
ersetzt. Sollte ein Word Dokument auch noch einen Makro enthalten lautet die Endung DOCM.
Intern handelt es sich in beiden Fällen um eine Sammlung von komprimierten Dateien im ZIP
Format, die mit dem Standardtool entpackt und einzeln angefasst werden können. Natürlich
werden die neuen Office Produkte das betagte DOC Format lesen können. Vor dem Speichern
können Informationen von vorherigem Speichern aus dem Dokument entfernt werden (sinnvoll
bei der Signaturvergabe). Leider gibt es immer noch keine integrierte Verwaltung von
Textbausteinen. Dies muss wie bisher über Partner realisiert werden. Dateien können
wahlweise auch im Microsoft eigenen XPS Format abgespeichert werden. Die Funktionalität
entspricht der von PDF.
Mit InfoPath kann jetzt auch eine qualifizierte Signatur von Formularen erfolgen
Dabei wird das Dokument als PNG abgespeichert und die Signatur wird anschließend eingebettet.
Sinnvoller wäre es hier, wenn die Signatur für die spätere Archivierung in TIFF oder PDF-A
angehängt wäre, so dass eine Entkoppelung von Signatur und Dokument möglich ist.
Alle Office Produkte erhalten die neue "IGX" Grafik Engine. Damit werden die Daten von
Präsentationen analysiert und automatisch in komplexen Grafiken eingefügt. Die
Hinterlegung von Unternehmensstandards für Grafiken ist jedoch noch nicht möglich.
Die Oberfläche der Office Produkte wurde entscheidend verbessert. Es ist jetzt nicht mehr
nötig sich durch endlose Menübäume zur passenden Auswahl durchzusuchen. Vielmehr "ahnt"
das System, was der Anwender als nächstes machen möchte und bietet ihm die passenden
Optionen an.
Der Sharepoint Services Server (nicht zu verwechseln mit dem Sharepoint Web Server) wird
zum Zentralen DMS Server
Dabei wird eine Integration zu allen anderen Microsoft Produkten
angestrebt. So ist es z.B. möglich Kontaktdaten aus Exchange per Replikation an den
Sharepoint Server zu übergeben und dort für Formulare in InfoPath zu nutzen. Auch Mail
kann von Exchange an SharePoint übergeben werden. Dabei geht allerdings die Historie der
Mail verloren.
Unter Langzeitarchivierungsgesichtspunkten sollten keine mit privaten Passworten
geschützten Dokumente archiviert werden. Hier ist die Digital Rights Management
Funktionalität eher hinderlich. Berechtigungen können zur Archivierung von Dokumenten
nicht automatisch entfernt werden. Hierfür muss programmiert werden.
Leider gibt es immer noch keine gemeinsame Datenbasis für Access, Exchange und Sharepoint
Hier sollten sich die verschiedenen Entwicklungsteams an einen Tisch setzen und sich auf
einen gemeinsamen Standard, z.B. SQL-Server einigen. Da der Sharepoint Server zentral alle
Informationen vorhält sind Public Folder in Exchange überflüssig und werden bis Ende 2006
durch Sharepoint ersetzt werden.
Für die Rechtevergabe in Sharepoint wird das Active Directory genutzt. Dies erfolgt auf
Gruppenebene, so dass Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen leicht aus einer Gruppe
entfernt werden können, ohne die Zugriffsrechte für die Dokumente zu ändern. Auch wird es
im Sharepoint zukünftig differenziertere rechte auf Unterordner geben.
Visio wird als Designer für Bizztalk genutzt
Die Umsetzung vom Design zur Applikation erfolgt allerdings noch mit Visual Studio. Die Windows Workflow Foundation wird mit
ausgeliefert. Workflow kann umgangen werden, indem bei (Office) Dokumenten ein anderer
Speicherort angegeben wird. Um das zu verhindern, sind Anpassungen von Partnern
erforderlich.
Der Content Manager Server läuft aus und geht im Sharepoint Services Server auf. Frontpage
für die Gestaltung von Webseiten wird durch den Sharepoint Designer (separates Produkt)
ersetzt. Die Einbindung von Workflows wird möglich sein.
In Zukunft wird es nur noch einen Kalender pro Person in Sharepoint und Outlook geben
Projektkalender werden in Sharepoint verwaltet. Web Zugriff auf den Sharepoint Services
Server ist über den Sharepoint Portal Server möglich. Ein Dokument kann beim Speichern
in Sharepoint nur in einem Kontext gespeichert werden. Zur Ablage an einem zweiten Ort
muss dort entweder ein Link oder eine neue Instanz des Dokuments hinterlegt werden.
Grundsätzlich besteht jetzt die Möglichkeit das Dateisystem nicht mehr zur Ablage zu
benutzen und stattdessen den Sharepoint Services Server zu benutzen.
Auch im Bereich des Instant Messaging ändert sich eine Menge
Der Office Live Communicator
2007 ersetzt den MS-Messenger. Er dient gleichzeitig als Frontend für den Live
Communications Server. Damit sind jetzt in einem Tool Instant Peer to Peer Kommunikation,
Video Konferenz und VoIP möglich.
Der Business Contact Manager steht jetzt auch als Serverkomponente zur Verfügung. Dies
erlaubt die Nutzung von CRM-Funktionalität in Verbindung mit Exchange oder die
Adressverwaltung im Exchange zu überlasten.
Die Notizfunktionen von Outlook werden nicht weiter gepflegt und durch OneNote mit einem
erheblich verbesserten Leistungsumfang ersetzt. Outlook wird auch zum Offline Client für
Sharepoint Dateien und Workflow.
Ein normal ausgestatteter XP Rechner erfüllt die Hardwareanforderungen für die Clients der
neuen Office Produkte. Für eine vollständige und integrierte Nutzung sollte man jedoch auf
VISTA warten. Der Termin für die Freigabe wurde jedoch zum wiederholten Male verschoben.
Vista als Marktreiber im Weihnachtsgeschäft wird es nicht geben, man rechnet inzwischen
mit Februar 2007. Auf die deutsche Version muss man dann wahrscheinlich noch ein paar Tage
länger warten.
Interessant ist auch noch das neue Peer-to-Peer-Kommunikationsangebot GROOVE von
Microsoft. GROOVE eignet sich für die Zusammenarbeit in Teams, die viel unterwegs sind.
Diese Teams benötigen nicht unbedingt einen gemeinsamen Server, können jedoch auch einen
Relay Server bei Microsoft oder einen eigenen Firmen Relay Server nutzen. Dann sind
Sharepoint CheckIn und CheckOut sowie Versionierung möglich. Damit gibt es eine
Alternative zur Sharepoint offline oder Extranet Funktionalität. Die Kommunikation erfolgt
sicher mit einer 1024 Bit Verschlüsselung. Replikationskonflikte werden nicht automatisch
aufgelöst, sondern erfordern das manuelle Eingreifen des Anwenders.
Dieses Verfahren kommt
Lotus Notes Benutzern sicherlich bekannt vor. Das ist auch nicht verwunderlich, da Ray
Ozzie der geistige Vater von GROOVE und Lotus Notes ist. Interessant ist, dass GROOVE
immer einen Weg durch Firewalls findet und so ein Datenaustausch für mobile Anwender
leichter möglich ist.
GROOVE Clients kosten ca. 100 bis 150 Euro. Der Relay Server liegt
bei 2000 bis 3000 Euro. Eine 90 Tage Testversion kann von www.groove.net geladen werden.
Es würde hier den Rahmen sprengen, das neue Lizenzmodell darzustellen. Als Anhaltspunkt
für Großkunden sollte mit 200 bis 300 Euro pro Anwender für die Nutzung aller Office / ECM
Produkte gerechnet werden. Neue Produkte wie z.B. Groove werden extra lizensiert werden
müssen.
Fazit
Die Office Produkte werden anwenderfreundlicher. Durch den Einsatz von XML wachsen die
Client und Serverprodukte von Microsoft enger zusammen. Auch wenn noch einige Funktionen
fehlen oder nicht ganz ausgereift sind wird der Sharepoint Services Server zur Microsoft
Plattform für ECM, Records Management (über spezielles Repository) und Workflow. Es ist
abzusehen, dass sich Microsoft mit den umfassenden Funktionalitäten in einer
konsolidierten Produktfamilie zu einem ernstzunehmenden Anbieter im ECM-Umfeld entwickeln
wird.
Quelle: Ausgabe 20060331 des PROJECT CONSULT Newsletters, ISSN 1439-0809.
06/2006, Rainer Kossow

Kommentare zu diesem Beitrag 
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   | In welcher Liga spielt Microsoft? | | | |
| Fachartikel | 26.06.06 | | Jens Büscher | 29.06.06 | | Rainer Kossow | 14.07.06 |
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